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Tot um 15:00

Tot um 15:00 Uhr

Es war Nacht, ich wachte auf und musste gegen meinen Willen an die Worte meiner Eltern denken, als ich sie fragte, warum sie abends immer so leise sprachen und sich
mir gegenüber nicht klar ausdrückten, worauf sie antworteten: ,,Es gibt Dinge, die du besser nicht wissen solltest.“ Mehr sagten sie nicht und ich ging ins Bett. So schlief ich ein. Erst jetzt bemerkte ich, wie nass ich war. Langsam kamen die Erinnerungen an meinen Albtraum wieder: Ich stand auf einer kleinen Leiter in meinem Zimmer. Außer mir und meiner Leiter war dort nichts. Langsam sank die Zimmerdecke herab. Ich stieg von der Leiter, um nicht zerquetscht zu werden. Ich versuchte zu fliehen, aber es gab weder Fenster noch Türen. Kurz bevor die Decke mich berührte, wachte ich auf.
Am nächsten Morgen kam ich zu spät in die Schule, denn ich hatte verschlafen.Ich konnte mich gar nicht auf den Unterricht konzentrieren, weil mir die Geheimniskrämerei meiner Eltern im Kopf herumschwirrte. Nach der Schule ging ich mit meinen Freunden Johanna, Marek und Lukas zum Hort.
Ich erzählte ihnen schließlich die Sache mit meinen Eltern. Sie meinten, dass es ziemlich merkwürdig wäre. Johanna fragte mich: ,, Du, Coco, wir könnten doch heute am Nachmittag alle zusammen mit deinen Eltern reden!“ ,,Ja, klar!“ ,,Wo wohnst du eigentlich?“ ,,Am Weiher Nr.6, das weiße Haus.“ ,,Ach, du bist schon wieder umgezogen.“
Wenig später betrat ich das Haus, weil ich noch Hausaufgaben erledigen musste. Es sah aus als wäre eine Bombe eingeschlagen! Die Lampe war umgekippt, der Telefonhörer hing vom Tisch, im Badezimmer lief der Wasserhahn und alles war verwüstet. Aber was mich am meisten beunruhigte war, dass meine Eltern nicht da waren. Da klingelte es an der Tür. Erst wollte ich nicht aufmachen, denn ich dachte, es wäre ein Mörder. Doch dann erinnerte ich mich an die Verabredung mit Johanna, Marek und Lukas. Deshalb öffnete ich die Tür. Alle waren geschockt von dem Anblick, der sich ihnen bot. Sie machten mich darauf aufmerksam, dass der Anrufbeantworter blinkte. Wir hörten ihn ab. Die mechanische Stimme sprach ihren Text: „Sie haben eine neue Nachricht. Nachricht 1. Freitag, 13. Februar 2009. 14:20Uhr. Zahle ein Lösegeld von 100.000 € oder deine Eltern sind tot. Tue das Geld in eine Plastiktüte und schmeiße es in den großen Mülleimer am Eingang des Parks am Weiher, in Richtung Gärtnerstraße. Bringe es bis spätestens 15:00 Uhr dorthin, sonst passiert das Fürchterliche. KEINE POLIZEI!“ Ich sah auf die Uhr: 15:17 Uhr. Es war zu spät, viel zu spät. Mein Herz schlug mir bis zum Halse und ich hatte schon Sorge, dass mir der Boden unter den Füßen wegrutschte. Wie in Trance sagte ich: ,, Ich hätte es sowieso nicht bezahlen können.“ Und brach in Tränen aus. Meine Freunde versuchten nicht, mich zu trösten, das fand ich gut. Und schließlich machten wir es wie immer, wenn wir keinen Rat wussten, wir gingen zu Opa Jost, in seinen Schrebergarten. Wir erzählten ihm von unserem Problem, und er antwortete darauf, dass es einen Geldschatz gäbe, der die Eltern retten könnte, falls sie noch nicht ermordet wurden. Opa Jost sagte: ,,Dann lasst ihn uns suchen! Hat irgendjemand eine Ahnung, wo er sein könnte?“ ,, Ich... äääh… ich glaube ich habs! Ich kann mich daran erinnern, dass meine Eltern am Weiher standen und ich sie plötzlich nicht mehr sah. Nach einiger Zeit sah ich, wie sie aus dem Eingang kamen.“ ,,Klasse, dann lasst uns dort hingehen, wo deine Eltern standen.“ Als wir dort waren, suchten wir nach dem Eingang. Es schien eine Ewigkeit zu dauern, wir dachten schon, dass das alles Quatsch war. Doch wir gaben nicht auf und schließlich fanden wir ihn. Er war verborgen hinter der alten Trauerweide am Ufer des Weihers. Es war ein ganz kleiner Eingang, unscheinbar und im Grunde genommen nur für Kinder sichtbar. Wir gingen hinein. Plötzlich hörten wir ein Klicken. Die Wand hinter uns schloss sich und eine tiefe Männerstimme sagte: ,, CODEWORT!“ Mir fiel ein, wie mein Vater zu meiner Mutter sagte: ,, Vergesse nicht das Codewort: Bürgerschaft.“ So laut ich konnte, rief ich: ,,Bürgerschaft!!!“ Die tiefe Männerstimme erwiderte: ,, RICHTIG.“ Eine kleine Tür, die wir vorher nicht bemerkt hatten, öffnete sich und da hinter war eine Aktentasche, aus der das Geld schon raus quoll. Wir nahmen sie und gingen hinaus. Opa Jost meinte zu uns: ,, Ich fahre zurück zum Schrebergarten und sage euren Eltern, falls sie anrufen, dass ihr bei diesem schönen Wetter schwimmen gegangen seid. Johanna, Marek, Lukas und ich legten das Geld in eine Plastiktüte und schmissen es in den großen Mülleimer im Park. Wir versteckten uns hinter einem Busch, der nahe an dem Mülleimer stand, um zu beobachten, wer das Geld nahm. Einige Zeit später sahen wir eine dunkle Gestalt, die in den Mülleimer griff. Wir folgten ihr bis zum Hafen für Hausboote und Segelboote. Die Gestalt verschwand in einem der Hausboote. Aufgeregt rief ich Opa Jost an, der sofort abnahm. ,, Hallo Opa Jost, wir haben gesehen, wie eine dunkle Gestalt das Geld nahm und damit in einem Hausboot, das ,,Schwarzer Schwan“ heißt, im Terminal 6 verschwand. Rufe bitte die Polizei und im Rathaus an. ,,Tschüss“, sagte ich noch, dann legte ich auf.
Sofort rief Opa Jost im Rathaus an. Nach einer gefühlten Ewigkeit ging ein freundlicher Mann ans Telefon. ,,Entschuldigen sie mich bitte. Wir hatten gerade einen Ausschuss über Verletzungen der Menschen.“ „Hallo erst mal. Ich bin Herr Jost. Ich habe eine kleine Anfrage zu dem Thema Menschenverletzung. Es ist nämlich so...“ Und er erzählte die ganze Geschichte. Als Opa Jost mit dem Erzählen fertig war, antwortete der freundliche Mann: ,, Rufen sie die Polizei an, den Rest regele ich.“ Hektisch rief Opa Jost die Polizei an und erklärte ihnen die Situation. Während dessen schlichen Johanna, Lukas, Marek und ich zum Boot. Wir suchten nach einem Fenster, wo wir durchgucken konnten, doch alle waren verdunkelt oder Gardinen versperrten die Sicht. Also blieb uns nichts anderes übrig, als zu lauschen. Wir hörten, wie eine junge Männerstimme sagte: ,, Ihr werdet gleich mit mir mitkommen und werdet keinen Unsinn machen, sonst muss ich euch leider verletzen. Außerdem habt ihr Glück, dass ich euch noch nicht erschossen habe. Ein Mann und eine Frau antworteten gleichzeitig und auch etwas bedrückt: ,,Wir werden schon nichts anstellen.“ ,, Gut“, sagte der junge Mann schroff. Ich gab meinen Freunden ein Zeichen mir zu folgen. Leise schlichen wir am Boot vorbei und blieben dann plötzlich stehen und taten so, als würden wir über das Wetter reden. Mir wurde richtig heiß, als der Mann und meine Eltern eilig an uns vorbei gingen. Wir wollten ihnen folgen, doch das brauchten wir nicht, denn ein paar Meter weiter, schossen die Fotografen und die Leute von der Presse hinter einer Mauer hervor. Der Mann mit der jungen Stimme, hatte keine Zeit mehr zu flüchten, denn die Polizei hatte ihn schon umzingelt. Dann ging alles ganz schnell. Dem Mann wurden die 100.000 € genommen und meinen Eltern gegeben, die mich in den Arm nahmen und ich sah noch wie das Polizeiauto wegfuhr.
Zuhause wollten meine Eltern alles wissen, was passiert war, als sie entführt wurden. Ich erzählte ihnen alles der Reihe nach. Als ich fertig war, waren alle still. Doch dann sagte Johanna: „Wir sind eben die besten Alsterdetektive.“ Am nächsten Morgen stand alles in der Zeitung und alle erfuhren, was geschehen war.

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